Flugreisen mit Sauerstoff

Auch Patienten mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen können heutzutage die Vorzüge von Flugreisen genießen, wenn die Reise gut geplant ist. Um Sie bei der Planung zu unterstützen, haben wir versucht, Informationen möglichst vieler europäischer Fluggesellschaften zusammenzustellen. Einige Fluggesellschaften stellen z.B. die Versorgung mit Sauerstoff sicher, haben eine Notfallausrüstung an Bord der Flugzeuge oder besitzen allgemein ein Management zum speziellen Umgang mit chronisch kranken Passagieren. Die Fluggesellschaften sind nach ihrem Herkunftsland geordnet.

Informationen zu den einzelnen Fluggesellschaften

Während des Fluges ist der Sauerstoffdruck in der Kabine vermindert. Patienten mit Lungen- und Atemwegserkrankungen können dies u.U. nicht ausgleichen, so dass der Sauerstoffdruck im Blut und die Sauerstoffsättigung absinken (Hypoxie). Diese Unterversorgung kann die Symptome der Grunderkrankung verstärken.

Für den behandelnden Arzt ist schwer vorhersagbar, wie der Patient das Fliegen vertragen wird. Es gibt jedoch Methoden, um das Flugrisiko ungefähr abzuschätzen. Lungen- und Atemwegspatienten sollten die geplante Reise unbedingt mit ihrem Arzt besprechen.

Der Sauerstoffdruck in der Kabine während des Fluges entspricht einer Höhe von 2.438 m über dem Meeresspiegel.

 Gesunde Personen gleichen diesen Sauerstoffabfall in der Höhe aus. Bei Patienten mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen können jedoch Atemprobleme auftreten und die Zufuhr von zusätzlichem Sauerstoff notwendig machen.

Bereitstellung von Sauerstoff

 Patienten dürfen oft keinen eigenen Sauerstoff in Druckbehältern mit ins Flugzeug nehmen. Sie müssen sich darauf verlassen, dass die Fluggesellschaft Sauerstoff zur Verfügung stellt. Die Bedingungen für die Bereitstellung von Sauerstoff variieren zwischen den einzelnen Fluggesellschaften stark. Patienten, die Sauerstoff benötigen, sollten die Sauerstoffversorgung unbedingt ausreichend lange vor Reiseantritt, am besten schon vor der Flugbuchung klären. U.u. ist die Sauerstoffanwendung auch nur bei Start und Landung verboten.

Einige Fluggesellschaften gestatten die Mitnahme von Gasdruckflaschen oder Verwendung tragbarer Sauerstoffkonzentratoren; allerdings kann dies auf bestimmte Modelle eingeschränkt sein. Diese Geräte stellen für eine begrenzte Zeit eine Versorgung mit 90%igem Sauerstoff, 1 bis 5 Litern pro Minute, sicher. Bei Langstreckenflügen ist jedoch eine externe Stromversorgung erforderlich. Ob eine solche zur Verfügung steht, sollte unbedingt vorher abgeklärt werden. Im Flugzeug selbst ist im allgemeinen ein begrenzter Sauerstoffvorrat für medizinische Notfälle vorhanden. Falls ein Patient während des Fluges akut erkrankt, kann die Besatzung medizinische Unterstützung anfordern und u.U. von der Flugroute abweichen, bevor der Zielflughafen erreicht wird. Dies sollte aber durch eine sorgfältige Planung tunlichst vermieden werden.

Setzen Sie sich vor Reisebuchung mit Ihrer Fluggesellschaft in Verbindung!

  • Einige Fluggesellschaften stellen lediglich Gesichtsmasken zur Verfügung, obwohl Nasensonden von vielen Patienten als angenehmer empfunden werden. Normalerweise ist eine Sauerstoffzufuhr von 2 bis 4 Litern pro Minute möglich. Patienten, die eine abweichende Sauerstoffversorgung benötigen, müssen vor Reiseantritt bzw. -buchung entsprechende Vereinbarungen treffen.

  • Normalerweise erfüllen die Fluggesellschaften gerne die Wünsche ihrer Passagiere. Allerdings kann eine üblicherweise in englischer Sprache verfasste Bescheinung eines Arztes erforderlich sein. Bitte klären Sie dies rechtzeitig vor der Buchung.

  • Patienten, die eine permanente Beatmung benötigen, müssen in der Regel von einem Arzt begleitet werden.

Versicherungen

  • Bei der Planung Ihrer (Flug-)Reise sollten Sie folgende Fragen mit Ihrer Krankenversicherung klären:
  • Beteiligt sich oder übernimmt Ihre Krankenversicherung die Kosten für
    • die (Sauerstoff-)Versorgung an Bord?
    • die Versorgung am Zielort?
    • die Versorgung in Notfällen?
  • Welche medizinischen Besonderheiten hat die medizinische Versorgung am Zielort/in dem Gastland?
  • Kommt der Abschluss einer Reiserücktrittversicherung in Frage?
  • Sollte/kann eine Reiseversicherung abgeschlossen werden, die z.B. den Rücktransport aus dem besuchten Reiseland absichert?
  • Wichtig ist besonders bei chronisch Kranken das Kleingedruckte: Gilt der Versicherungsschutz auch bei vorher schon bekannten (chronischen) Erkrankungen?

Was tun im Notfall?

Sie sollten wissen wo und an wen Sie sich im medizinischen Notfall am Zielort wenden können (Arztverzeichnis, Krankenhausverzeichnis, Notfallnummern).

Kostenabschätzung am Urlaubsort

Meistens müssen Patienten bei medizinischen Leistungen in fremden Ländern selbst in Vorleistung treten und bekommen den Betrag von der Reiseversicherung – sofern eine abgeschlossen wurde – wieder zurück. Wären Sie in der Lage z.B. via Kreditkarte in Vorleistung zu treten?

Technischer Service für Sauerstoff-/Beatmungsgeräte

Falls Sie eine dauerhafte Sauerstoffversorgung oder ein Beatmungsgerät benötigen, müssen Sie sich unbedingt bei Ihrem Geräteversorger/-Hersteller erkundigen:

  • Ist das Gerät für das Flugzeug tauglich?
  • Gibt es eine Herstellervertretung am Zielort?
  • Welche technischen Besonderheiten sind am Zielort zu beachten (z.B. Stromspannung, Sauerstoffversorgung, Stromstecker, Management bei technischen Problemen etc.)?

Hier erhalten Sie weitere Informationen über Rechte von Personen mit Handikaps bei Reisen in Europa

Link to Deutsche Atemwegsliga 

Die European Lung Foundation dankt Frau Dr. Uta Butt von der Deutschen Atemwegsliga für die Übersetzung der Flugreise-Datenbank ins Deutsche.

Die Informationen zu Sauerstoff an Bord wurden zwischen Juni und September 2010 zusammengestellt.